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Offener Brief vom 15.12.2008 an den
Förderverein Wiesbadener Aussichtsturm Biebricher Höhe
(HTML-Version)

Bürgerinitiative für eine Nutzung
des Biebricher Wasserturms mit
Augenmaß

 

An den „Förderverein Wiesbadener Aussichtsturm Biebricher Höhe“
Herrn Wilhelm Dammeier
Marktplatz 5
65183 Wiesbaden

Ihre Pläne zur künftigen Nutzung des Biebricher Wasserturms

 

Sehr geehrter Herr Dammeier, sehr geehrte Mitglieder des Fördervereins Wiesbadener Aussichtsturm Biebricher Höhe,

Warum ein offener Brief?

Nachdem wir in einem persönlichen Brief vom 31.08.2008 auf uns und die Lage des Wasserturms in einem reinen Wohngebiet aufmerksam gemacht haben, sind wir sehr enttäuscht darüber, dass Sie es auch nach Abschluss Ihrer Studie nicht für nötig erachten, uns direkt „aus erster Hand“ über Ihre Pläne zu informieren. Was sollen wir davon halten, dass Sie uns nicht wenigstens zeitgleich mit der Presse informiert haben und auch gegenüber der Presse offenbar jeden konkreteren Hinweis auf die gegenüber 1914 doch stark veränderte Gebietsstruktur und sich hieraus ergebende Folgen unterlassen haben?

Da Sie an unserer Meinung so wenig interessiert scheinen und Sie von sich aus die Tatsache, dass der Turm in einem reinen Wohngebiet steht, bisher nicht thematisiert haben, müssen wir dies zwangsläufig tun. Wir tun dies mit diesem offenen Brief.

 

Wie ist die Rechtslage?

Festzustellen ist zunächst einmal, dass sich der Turm auf einem „Versorgungsgebiet-Wasserwerk“ gekennzeichneten Sonderbereich mitten in einem reinen Wohngebiet befindet. Das geht aus dem Bebauungsplan eindeutig hervor und spiegelt sich auch in der Art und Lage der umliegenden Häuser klar wieder. Daraus lassen sich einige Einschränkungen zur möglichen Nutzung des Turms aus geltendem Recht ableiten:

·         Die „Versorgungsfläche Wasserwerk“ soll außerhalb ihrer Zweckbestimmung verwendet werden

·         Die zweckfremde Nutzung der „Versorgungsfläche Wasserwerk“ als Touristenattraktion beeinträchtigt den „Gebietserhaltungsanspruch“ der im umliegenden Wohngebiet lebenden Menschen. In einem reinen Wohngebiet ist jede Art einer öffentlichen und / oder gewerblichen Nutzung von Gebäuden und Freiflächen unzulässig, die die für reine Wohngebiete typische Ruhe in unangemessener Weise beeinträchtigt oder gar zerstört.

·         Kulturelle Einrichtungen und Geschäfte dürfen nur betrieben werden, wenn sie wenig stören und in erster Linie der Versorgung der Anwohner dienen. Beide Voraussetzungen dürften bei den bisher formulierten Vorstellungen für den Turm wohl kaum gelten.

·         Gastronomie ist überhaupt nicht erlaubt.

·         Die Tatsache, dass der Turm vor 110 Jahren auch als Aussichtsturm konzipiert wurde, stellt keine Rechtfertigung für eine „Wiederbelebung“ dar. Damals stand der Turm zwischen Feldern, Gärtnereien und ganz wenigen Häusern. Er war beliebte Station bei Spaziergängen zwischen Wiesbaden und Biebrich. Nie wurde er als kulturelles Zentrum oder für Gastronomie genutzt. Einen Bebauungsplan gab es damals auch nicht. Heute ist das alles ganz anders: Die meisten Besucher kämen nicht zu Fuß. Um den Wasserturm herum leben viele Menschen, die sich zu Hause von der Hektik des Alltags erholen wollen und denen wichtig ist, dass ihre Kinder sich im Viertel sicher bewegen und auch die Straßen einigermaßen gefahrlos überqueren können. In ein Gebiet dieses Charakters passen keine Besucherströme von mehreren hundert Personen pro Wochenende.

·         Die Frage, ob eine gewerbliche Nutzung des Bauwerkes zu dessen Erhalt beitragen kann, ist für die Frage der inmitten eines reinen Wohngebietes möglichen Nutzung nicht von Belang.

Warum sind wir trotzdem beunruhigt ?

In Ihrem Verein befinden sich Juristen, denen dieser Sachverhalt bekannt sein sollte und auch für Visionäre ohne Jurastudium und kritische Journalisten ist es in der heutigen Zeit ein Leichtes, zumindest im Groben in Erfahrung zu bringen, in was für einem Umfeld das Bauwerk steht und welche Bestimmungen der Gesetzgeber für solche Gegenden nicht ohne Grund erlassen hat.

Mit umso größerer Sorge nehmen wir wahr, dass scheinbar gezielt vermieden wird, auf diese Problematik einzugehen. Als Grundlage für diese Wahrnehmung mögen folgende Zitate aus Tageszeitungen dienen:

·         Im Artikel des Wiesbadener Tagblatts vom 03.12.2008 steht dazu „…Natürlich muss dem Denkmalschutz Rechnung getragen werden, ebenso auch dem Brandschutz und vielem anderen mehr , will man den Turm wieder für interessierte Menschen öffnen“

·         Im Wiesbadener Tagblatt vom 02.12.2008 heißt es unter der Rubrik Protokoll (Förderverein Wasserturm): „Das setzt die Klärung von Rechtsfragen, vor allem aber erhebliche Investitionen und eine entsprechende Organisation voraus“

In beiden Fällen beachte man die Gewichtung der Probleme. In vielen anderen Artikeln gibt es überhaupt keine Hinweise auf mögliche Vorbehalte. Kein Artikel ist hier auch nur ansatzweise kritisch.

Eine andere Taktik glauben wir darin zu erkennen, dass das Vorhaben unter anderem dadurch legitimiert werden soll, dass man immer wieder auf die positiven Leistungen der Förderer des Vorhabens hinweist und gezielt versucht, Persönlichkeiten mit besonders hohem Ansehen für die Idee zu gewinnen. Der Aufbau der vielen Zeitungsartikel zum Thema gleicht sich hier in auffälliger Weise und noch auffälliger ist der Vergleich zum Inhalt einer Email, die wir von einem in der Vergangenheit bezüglich Ihrer Öffentlichkeitsarbeit federführenden Lokalpolitiker und Fördervereinsmitglied erhalten haben.

Auch wir achten die Lebensleistungen aller in den Zeitungsartikeln benannten Persönlichkeiten hoch und wir gönnen denen, die sich die Verdienste erworben haben, dass dieses Lob bei Gelegenheit ausgesprochen wird. Es steht ihnen zu. Festzustellen ist aber, dass eine Wiederbelebung des Wasserturms wenig gemein hat mit der Medenbacher Autobahnkirche oder der City Ost:

·         Mit der Autobahnkirche wurde an einem hektischen Ort des Lärms ein Ort zur Ruhe und Besinnung geschaffen – niemand wurde dadurch belastet. Im Falle des Wasserturms droht aus einem Wohnviertel, das für die Anwohner Ort der Erholung ist, ein Ort hektischer Betriebsamkeit zu werden. Die „Wohltat“ geht in jedem Fall zu Lasten der Anwohner und ist dann keine mehr, wenn nicht mit dem rechten Augenmaß gehandelt wird.

·         Der Abriss des Wasserturms stand und steht seit Jahrzehnten nicht zur Diskussion. Sie selbst weisen auf das öffentliche Interesse am Erhalt dieses Wahrzeichens der Stadt hin und räumen ein, dass neben Spenden auch Steuergelder (städtische Zuschüsse) für Betrieb und Erhalt des Bauwerkes benötigt werden. Es ist also nicht einmal zu erwarten, dass die Zusatzkosten, die durch die Öffnung für die Öffentlichkeit entstehen, durch Einnahmen von Besuchern gedeckt werden könnten.

 

Wir wollen eine Öffnung nicht grundsätzlich blockieren!

Wir legen Wert auf die Feststellung, dass wir für den Wunsch der Öffentlichkeit, die Aussicht vom Turm genießen zu dürfen, nicht nur Verständnis haben, sondern durchaus für uns zumutbare Wege sehen, dies zu ermöglichen. Es wird aber ein Konzept nötig sein, bei dem die Öffnungszeiten dem Gebot angepasst sind, dass der Charakter des Wohngebietes nicht zu sehr geschädigt oder gar zerstört werden darf.

Konkret könnte eine Lösung sein, dass man den Turm zu wenigen besonderen Veranstaltungen im Jahr öffnet. Beispielhaft zu nennen wären

·         das Sektfest bei Henkell Trocken (da herrscht hier ohnehin ein reger Publikumsverkehr) ,

·         Tag(e) des offenen Denkmals oder auch alternativ eine ganze „Woche der Industriekultur“

Zwei solcher zeitlich befristeter Veranstaltungen pro Jahr wären aus unserer Sicht kein Problem. Diese Veranstaltungen dürften auch ein attraktives Rahmenprogramm haben, was relativ gute Einnahmen für den Turm möglich machen könnte. Diejenigen von uns, die gerade keine Lust auf Party und Trubel hätten und diesen auch nicht ertragen wollten, wüssten, wann Sie zu fliehen hätten. Die Zeit der Belastung wäre begrenzt und überschaubar.

Über Öffnungen darüber hinaus – vielleicht exklusiv für im Bus oder mit dem Tourismuszug „Thermine“ anreisende Gruppen - könnte man noch diskutieren. Es wird aber schnell problematisch, da sich die Besucher ja nicht unbedingt vorwiegend im Turm aufhalten werden. Wie stellen Sie sich die Nutzung der Freiflächen vor? Sollen da die Besucher ihr Picknick machen und vielleicht sogar grillen – vis a vis zu den Gärten und Balkonen der Anwohner?

In jedem Fall äußerst wichtig für uns ist die Nutzung der außenliegenden Aussichtsplattform ganz oben. Auch hier widersprechen sich die Aussagen in den unterschiedlichen Zeitungen:

·         Die einen Schreiben „Öffnung nur in Ausnahmefällen“ (wann sind die gegeben?)

·         Die anderen schreiben „Öffnung nur mit fachkundiger Begleitung“ (also immer?)

Klare Aussagen sind hier gefragt!

Wenn da oben Leute stehen und mit nur leicht sonorer Stimme einander die Gegend erklären, hören Sie in den umliegenden Gärten jedes Wort. Was daraus folgt, ist klar. Wir haben wirklich kein Interesse daran, jeden Sonntag „Gespräche“ vom Liegestuhl zur Turmspitze zu führen und um etwas mehr Rücksichtnahme zu bitten.

 

Grenzenlose Phantasie?

Soweit unser Kommentar zu dem, was momentan offiziell angestrebt wird. Jetzt müssen wir auch auf die „grenzenlose Phantasie“ eingehen, die selbst in den neuesten Zeitungsartikeln proklamiert wird. Zu nennen sind Zeitungsartikel verschiedener Autoren, die sich unabhängig voneinander auf Mitglieder des Fördervereins berufen, wenn sie Nutzungsoptionen wie Ausstellungen und Konzerte aufzählen. Erlebnisgastronomie wird ausgeschlossen. Sehr rücksichtsvoll! Liegt die Betonung vielleicht auf dem „Erlebnis“ ? Wie wäre es mit einem langweiligen Biergarten unterm Turm?

Die baulichen Besonderheiten des Turms und seine Lage mögen vielleicht noch rechtfertigen, dass es Besuchern gelegentlich ermöglicht wird, auf den Turm zu steigen und die Aussicht zu genießen. Ausstellungen können mit solchen gelegentlichen Öffnungen verknüpft werden. Eine Nutzung für Gastronomie, Konzerte, Basare und die Vermietung für private Feiern verbietet sich aber, da solche Veranstaltungen anderswo viel besser unterzubringen sind, ohne dass es zu Lasten von Anwohnern geht. Vergleichen Sie nur einmal das für solche Zwecke in der Diskussion stehende Zollgebäude am Biebricher Rheinufer als Veranstaltungsort mit dem Wasserturm:

·         Dort handelt es sich um ein Stadtkerngebiet und es gibt schon jetzt viele speziell für Besucher vorgesehene Parkplätze. Hier haben Sie ein Wohngebiet und nicht einmal die Möglichkeit, Parkplätze zu schaffen

·         Dort gibt es viele kleine und mittelgroße Betriebe, die von kultureller Bereicherung profitieren könnten: Hotels, Gaststätten und Geschäfte. Hier profitiert niemand. Den Anwohnern würde im Gegenteil ein Schaden zugefügt, der in keinem rechten Verhältnis zum Nutzen für die Allgemeinheit stünde.

·         Die Eignung eines Verwaltungs- und Lagergebäudes für kulturelle Veranstaltungen zu beurteilen ist nicht Sinn dieses Briefes. Ein Wasserturm jedenfalls ist von der Bauform und dem Raumangebot her nicht gerade für Veranstaltungen prädestiniert. Das gilt auch für den zugehörigen Wasserspeicher, der von Stützkonstruktionen durchzogen ist. Es fehlt an praktisch allem, was für eine solche Nutzung nötig wäre: Sanitären Einrichtungen, Heizung mit zugehöriger Wärmedämmung etc.

·         Räume mit sehr guter Akustik gibt es in vielen nahegelegenen Kirchen, Weinkellern und Konzertsälen der Stadt und der Region. Ebenso gibt es Festsäle, deren Betreibern völlig unsinnigerweise die Kundschaft abgejagt würde. Wir sehen keinen zusätzlichen Bedarf.

 

Vergleiche?

Der Vergleich mit dem Lüneburger Wasserturm ist erneut in der Presse aufgetaucht und passt zur grenzenlosen Phantasie wie der Vergleich mit dem Pariser Eiffelturm in der Frankfurter Rundschau vom 05.12.2008.

Der Lüneburger Wasserturm steht im Stadtkerngebiet von Lüneburg. Ein vergleichbarer Ort in Wiesbaden wäre etwa der Standort der Rhein-Main-Hallen. Es ist alles da: Parkhäuser, Geschäfte, Gastronomie, Hauptbahnhof und Park fast angrenzend. Nur ein reines Wohngebiet scheint – wenn man über Google-Earth so drauf guckt – nicht in der Nähe zu sein. Dass der Turm auch eine ganz andere Struktur aufweist, spielt nach dieser Feststellung schon keine Rolle mehr. Vergleichen darf jeder – aber wie man den Lüneburger Wasserturm nach erfolgtem Vergleich als Vorbild für Nutzungsoptionen des Biebricher Wasserturms darstellen kann, ist uns ein Rätsel.

 

Bauliche Veränderungen?

Jede bauliche Veränderung sollte kritisch hinterfragt werden, wenn sie nicht zwingend dafür erforderlich ist, dass Besucher den Turm überhaupt betreten und auf seine Aussichtsplattform(en) steigen dürfen. Auf diese Weise sollte nach unserer Auffassung der Turm soweit als möglich in seiner ursprünglichen Form erhalten bleiben. So regt er den Besucher an, sich Gedanken zu machen über die Stadtentwicklung, das Leben der Menschen in den ersten Jahren des letzten Jahrhunderts und auch die Technik, die zum damals erreichten Lebensstandard beigetragen hat.

Übrigens irritiert uns auch hier ein Zitat Ihres Vorstands aus dem Wiesbadener Tagblatt vom 04.12.2008 in dem es heißt: „Das“ (den Bau eines Wohnhauses auf dem Grundstück des Wasserturms) „konnten wir verhindern“

Wer hat hier was verhindert? Wir dachten bisher, der Bauherr, der ja den Turm nicht abreißen, sondern neben seinem Haus aus privaten Mitteln erhalten und nutzen wollte, sei am Denkmalschutz gescheitert?

Gerüchte – wir wissen es wirklich nicht – und es ist für unser Anliegen auch nicht direkt von Bedeutung. Nur weil es in der Zeitung so falsch oder zumindest unvollständig dargestellt ist, wollen wir klarstellen:

·         Auf dem Gelände des Wasserturms wurden Wohnhäuser errichtet: Vier Stück mit zusammen 16 Eigentumswohnungen

·         Auf dem Gelände, über das wir jetzt noch reden, wollte der Bauherr für sich selbst bzw. einen Verwandten ein Einfamilienhaus errichten und den Turm für sein privat genutztes Aussichtszimmer (oder was auch immer) verwenden.

Woran auch immer er letztlich mit seinen Plänen gescheitert ist - es wäre in jedem Fall eine Nutzungsart gewesen, die ins Wohngebiet passt.

Interessieren sollte Sie auch, dass den Käufern der Wohnungen diese ja nicht zuletzt dadurch angepriesen wurden, dass man die rein private Nutzung des verbleibenden Geländes und damit die für reine Wohngebiete typische Ruhe versprochen hatte. Auch die anderen Anwohner wurden mit diesen Aussagen beruhigt.

 

Unser Appell:

Es ist Aufgabe von Politikern, im Auftrag ihrer Wähler Gesetze zu gestalten, die für einen fairen Interessensausgleich zwischen den Menschen sorgen. Solche Gesetze gibt es. Gesetze, die Wohngebiete vor mehr oder weniger willkürlicher Ansiedlung von Gewerbe- oder sogar Vergnügungsbetrieben und dem damit verbundenen Verkehr und Lärm schützen. Das beinhaltet auch den Schutz von Minderheiten gegenüber einer leicht zu erreichenden Mehrheit, wenn es um sehr populäre Einrichtungen am falschen Ort geht. In einem anderen Fall könnte es ein Freibad sein, ein Lokal im Freien, hier ist es der Turm. Alle, die weit weg wohnen, rufen spontan „Hurra“ – nur die Anwohner müssen darauf achten, dass sie dabei beachtet werden.

Am Ende müssen unterschiedliche Interessen gewichtet und gegeneinander abgewogen werden. Dabei sind die eigentlichen Interessen sauber voneinander zu trennen. Es ergibt sich eine Liste mit Steigerungen, in der eine Grenze gezogen werden muss:

·         Das Interesse, dass der Turm als Wahrzeichen der Stadt erhalten bleibt ?
Absolut berechtigt, denn es schadet niemandem. Wir alle zahlen dafür unsere Steuern. Manche spenden.

·         Das Interesse, einmal den Turm besteigen und die besondere Aussicht genießen zu dürfen?
Berechtigt –Im Rahmen von Sonderveranstaltungen, wie oben beschrieben, kann diesem Interesse aus unserer Sicht problemlos entsprochen werden.

·         Das Interesse, auch außerhalb der Sonderveranstaltungen auf den Turm zu dürfen und so den Tourismus zu fördern bzw. Besuch die Gegend zu zeigen?
Wenigstens nachvollziehbar. Über maßvolle Optionen (z.B. eine Touristen-Thermine zu bestimmten Zeiten) könnte man reden.

·         Das Interesse, zusätzlich zum bisher Genannten jederzeit und vor allem auch abends und an Wochenenden auf den Turm zu dürfen ?
Nicht mehr berechtigt – da die Belastung der Anwohner nicht mehr im angemessenen Verhältnis zum Zusatznutzen steht.

·         Das Interesse, am oder im Turm Veranstaltungen, Gastronomie etc. zu haben
Nicht mehr berechtigt – Alle hier geforderten Vorhaben können anderswo realisiert werden, wo sie niemanden stören und der Stadtentwicklung mehr nützen.

Nach allem, was wir in den letzten Wochen lesen mussten, können wir nur hoffen, dass Sie sich den Sinn dieses Bestandsschutzes für Wohngebiete vor Augen führen. Unsere Argumentation haben wir hier dargelegt. Bitte suchen Sie nicht parteiübergreifend nach Kniffen, hier auf Kosten der Anwohner eine Touristenmeile und Partyzone einzurichten. Die von uns dargestellten Optionen bieten Ihnen auch so genug Möglichkeiten, sich wohltuend zu profilieren.

Hier schließt sich der Kreis zu den eingangs erwähnten Umgangsformen: Am Telefon wurde uns von einem Lokalpolitiker aus ihren Reihen der Rat erteilt, aufzupassen, dass wir nicht plötzlich „dumm dastehen“. Niemand steht „dumm da“, wenn Dinge von vornherein auch in der Öffentlichkeit mit Augenmaß und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Das haben nicht nur einige von Ihnen versäumt – auch die Presse scheint leider allzu oft das Bewusstsein verloren zu haben, dass ihr Einfluss auf die öffentliche Meinung sehr groß ist und ihr daraus Pflichten erwachsen: nämlich Sachverhalte unter verschiedenen Aspekten zu beleuchten und Fakten, Meinungen und eigene Kommentare möglichst deutlich voneinander zu trennen.


Wie geht es weiter?

In ihrem Antwortschreiben vom 31.08.2008 haben Sie uns mitgeteilt, dass „alle in der Presse veröffentlichten Artikel zur Nutzung des Wasserturms nicht auf Informationen von Herrn Weigle beruhen.“ Fortsetzung des Zitats: „Sie sind nicht mit ihm abgestimmt, geschweige denn von im autorisiert“.

In der Sache haben Sie zu Ihren Plänen keine Angaben gemacht und auf das Ergebnis der nun vorliegenden Studie verwiesen. Es wäre gut, wenn Sie sich um mehr Klarheit in den Pressemitteilungen bemühen könnten und bei Artikeln, die ihren Standpunkt nicht korrekt wiedergeben, die in der Tat nicht einfachen Klarstellungen auch in der Presse wenigstens versuchen zu veranlassen. Momentan herrscht ein für uns unerträglicher Zustand: Die Presse verweist in den Artikeln auf ihre Quellen, die Quellen erklären die Pressemitteilungen für „Schall und Rauch“. So geht es nicht!

Natürlich wissen auch wir nicht, wie z.B. diese sieben Seiten demnächst in den Zeitungen zusammengefasst werden. Ein Versuch, unsachgemäße Berichterstattung zu vermeiden wird darin liegen, dass wir diesen Brief, in dem unsere Wahrnehmung und Auffassung umfassend dargestellt ist, auf unserer Webseite vollständig veröffentlichen, die unter der Domain www.wasserturm-biebrich.de erreicht werden kann.

Mit der Webseite haben wir die Möglichkeit, umgehend zu reagieren, falls unser Anliegen falsch dargestellt wird oder wir uns in irgendwelchen Punkten korrigieren müssen. Wir glauben aber, dass in diesem Brief klar erkennbar ist, was als unsere persönliche Meinung aufgefasst werden muss und wobei es sich um belegbare Fakten handelt. Wir sind nun gespannt auf Ihre Reaktion.

Mit freundlichen Grüßen

 

i.A. Andreas Draheim

Bürgerinitiative zur Nutzung des Biebricher Wasserturms mit Augenmaß

 

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